MitgestALTER - Partizipative Sozialraumanalysen von Senioren für Senioren als innovative Form bürgerschaftlichen Engagements

Das Projekt strebt modellhaft - in Ergänzung zu quantitativ aufbereiteten Analysen - die Entwicklung und Erprobung qualitativer, bedarfsgerechter Instrumente der kommunalen Altenhilfeplanung an. Zentraler Bestandteil ist die kontinuierliche Integration kommunaler, wissenschaftlicher und zielgruppenbezogener, also lebensweltlicher Perspektiven alter Menschen.

Laufzeit: Juli 2011 - Februar 2014


Ausgangslage

Voraussetzung für die Sozialplanungen der Kommunen sind konsistente Analysen und die aus ihnen gewonnen Daten. Bisherige Sozialraumanalysen beziehen sich meist auf standardisierte Datenquellen (Melderegister, Mikrozensus, statistische Daten von Fachämtern); die verfügbaren Daten sind in der Regel quantitativ aufbereitet.

Unter dem sichtbaren Einfluss des demografischen Wandels, insbesondere in ostdeutschen Städten und Gemeinden, genügen standardisierte Erhebungen einer effektiven, der Zielgruppe angepassten Altenhilfeplanung in der Regel nicht; wertvolle Ressourcen bleiben unentdeckt. Differenzierte kommunale Bedarfserhebungen sowie quartiersbezogene Ansätze und Konzepte gewinnen im Blick auf die Bearbeitung altersbezogener Problemlagen und vor allem auf die Erschließung von lebensweltlich gebundenen Ressourcen an Bedeutung. Die Idee des Projekts knüpft daher an demografische Prognosen und den damit verbundenen sozialraumbezogenen Herausforderungen an.
Das Projekt ist ressourcenorientiert und greift Konzepte einer aktivierenden Sozialarbeit auf. In den Blick genommen werden die Potenziale älterer Menschen sowie strukturelle Bedingungen: sozialräumliche Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen, Ressourcen von Wohnquartieren sowie Ansätze einer gemeinwesenorientierten Kompensation alterstypischer Einschränkungen.

Ziele und Inhalte

Der Bereich der Altenhilfeplanung stellt ein wesentliches Element kommunaler Sozialplanung dar. Das Projekt strebt modellhaft - in Ergänzung zu quantitativ aufbereiteten Analysen - die Entwicklung und Erprobung qualitativer, bedarfsgerechter Instrumente der kommunalen Altenhilfeplanung an. Der Schwerpunkt liegt dabei auf vier Aspekten:

1. Entwicklung und Einsatz beteiligender Sozialraumanalysen als ergänzendes Instrument zu den meist standardisierten kommunalen Bedarfserhebungsverfahren und Indikatorenbildung auf der Basis qualitativer, kleinräumiger Erhebungen
2. Aktivierung und Sensibilisierung älterer Menschen für ihre eigenen Belange sowie für die ihres Quartiers + Aufbau lokaler Netzwerke zur Förderung von Beteiligung
3. Empfehlungen zur Implementierung der entwickelten Instrumente und Verfahren in die kommunale Altenhilfeplanung
4. Bereitstellung eines „Methodenkoffers“ für kommunale Akteure: a) zur qualitativen, partizipativen Bedarfsermittlung sowie b) zur Aktivierung älterer Menschen im Sozialraum 

Zentraler Bestandteil des Vorgehens ist die kontinuierliche Integration kommunaler, wissenschaftlicher und zielgruppenbezogener, also lebensweltlicher Perspektiven. Es sollen Möglichkeiten geschaffen werden, SeniorInnen und Senioren in kommunale Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen bzw. durch eigene Gestaltungsideen zu aktivieren. Auf der praktischen Handlungsebene soll auf diese Weise ein enger Zusammenhang zwischen den entsprechenden Stellen der Sozialplanung, der Altenhilfe, des Sozialamtes sowie der Gemeinwesenarbeit hergestellt werden.

Vorgehensweise/ Methodische Umsetzung

A: Vorbereitungsphase - In dieser Phase geht es …

a) in Kooperation mit kommunalen Akteuren um eine Bestandsaufnahme bzw. zum Stand kommunaler Altenhilfeplanung/ Altenpolitik an den jeweiligen ausgewählten Modellstandorten;
b) um den Aufbau eines „Planungs- bzw. Expertennetzwerkes“ (Anbindung des Projektes an fachliche Beratung der jeweiligen Abteilungen, Austausch zwischen den Akteuren der beiden Standorte…),
c) um die Einbeziehung lokaler Akteure (Vereine, Initiativen etc.) in das Vorhaben,
d) Strategien der Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung älterer Menschen und zur Konstituierung einer Gruppe von „SeniorforscherInnen“, die sich an den Sozialraumanalysen beteiligen wollen („Seniorennetzwerk“)


B: Forschungsphase

a) Die Feldphase umfasst die Durchführung der Sozialraumanalyse in ausgewählten       Sozialräumen mit älteren Menschen als „Experten ihres Quartiers“ bzw. als „Co-Produzenten einer aktivierenden Altenhilfeplanung“. Das Ziel besteht in der Ermittlung bzw. in vertiefenden Analysen der spezifischen kommunalen Situation, deren Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf den Handlungsspielraum älterer Menschen im Quartier. In den Blick genommen werden dabei insbesondere, die von den Senioren selbst gesetzten Themen, Problemwahrnehmungen und Bedarfe (z.B. in Bezug auf öffentliche Infrastruktur, pflegerische Unterstützungs- u. Versorgungsstrukturen o. a.).
b) An beiden Standorten (L und GR) sind die Präsentation und öffentliche Diskussion der Ergebnisse im Rahmen kommunaler Konferenzen unter der Überschrift „Altersgerechte Zukunft unserer Stadt/ unseres Dorfes“ geplant. Das Ziel besteht darin, aus Erfahrungen, Analysen und Problembeschreibungen der beteiligten Senioren, Handlungsbedarfe abzuleiten und in den darauf folgenden Schritten in Kooperation mit Kommunen und institutionellen Akteuren vor Ort Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.


C: Bilanzierungsphase

a) Im Vordergrund neben steht neben der beispielhaften praktischen Umsetzung der entwickelten Lösungsschritte in ausgewählten Bereichen die kontinuierliche Dokumentation der entwickelten und erprobten Methoden und Verfahren der beteiligenden Sozialraumanalyse. Ziel ist die Erstellung eines zielgruppen- und sozialraumangepassten „Methodenkoffers“, der in regelmäßigen Abständen zur kommunalen Sozial- bzw. Altenhilfeplanung und gleichzeitig zur Aktivierung älterer Menschen im Quartier eingesetzt werden kann. Die „Methodenkoffer“ sollen dabei sowohl für ländliche als auch für städtische Sozialräume im Sinne einer Wirkungsforschung evaluiert und auf die Übertragbarkeit auf andere mögliche Standorte ausgerichtet werden.
b) Die entwickelten Handlungsempfehlungen sollen als nachhaltige Konzepte in die kommunale Altenhilfeplanung bzw. Altenpolitik einfließen.

Kontakt

Prof. Dr. Ralf Evers 
E-Mail: rektorat@ehs-dresden.de
Telefon:
0351/469 02 10

Bernhard Wagner M.A. 
E-Mail: bernhard.wagner@ehs-dresden.de
Telefon: 0351/469 02 61

Mitarbeiterinnen

Peggy Lippstreu
E-Mail: peggy.lippstreu@ehs-dresden.de
Telefon: 0351/469 02 63

Stephanie Huhn
E-Mail: stephanie.huhn@ehs-dresden.de
Telefon: 0351/469 02 63

Projektberatung

Prof. Günther Robert

Kooperationspartner

Stadt Leipzig – Ansprechpartnerin Kerstin Motzer (Seniorenbeauftragte)

Landratsamt Görlitz - Ansprechpartner: Matthias Reuter (Sozialplaner)

Homepage

www.ehs-dresden.de/mitgestalter

Gefördert durch

BMBF-Programm Forschung an Fachhochschulen – Förderlinie „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter“ (SILQUA-FH)