Das ehs Zentrum begleitet und evaluiert den Implementationsprozess der Fachstelle RE:CONNECT im Rahmen einer unabhängigen wissenschaftlichen Begleitforschung. Die projektbegleitende Forschung ist nach einem partizipativen, dialogischen und programmevaluativen Ansatz ausgerichtet.

Laufzeit: 01.02.2022-30.09.2024


Ausgangssituation

Die Fachstelle RE:CONNECT ist ein fachlich eigenständiges Angebot an alle Jugendämter und freie Träger Sachsens, die mit Kindern und Jugendlichen und/oder Familien in komplexen Fallkonstellationen arbeiten. Die Fachstelle RE:CONNECT ist angesiedelt beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen e. V.

 

RE:CONNECT widmet sich jungen Menschen, die als „Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf", „Kinder und Jugendliche in hoch riskanten Lebenslagen" oder teilweise auch als „Systemsprenger*innen" bezeichnet werden. Die Kinder und Jugendlichen zeigen mitunter herausfordernde Verhaltensweisen, die Fachkräfte an ihre Grenzen führen können und auch auf unzureichende methodische und fachliche Ressourcen seitens des Unterstützungssystems treffen. Das Clearing- und Beratungsangebot von RE:CONNECT soll insbesondere dazu dienen, bei sich zuspitzenden Hilfeverläufen Resignation im Hilfesystem, sogenannte ‚Drehtüreffekte‘ zwischen Institutionen und freiheitsentziehende, geschlossene Unterbringung zu vermeiden. Stattdessen sollen mit allen Beteiligten, jedoch speziell mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen und ihren signifikanten Bezugspersonen, tragfähige alternative Hilfen und Settings entwickelt werden. Das eigens für die Fachstelle konzipierte Arbeitsmodell („Programm“) bezieht auf Basis sozialpädagogischer Diagnostik zentral die Sichtweisen und Hilfeideen der jungen Menschen, der Sorgeberechtigten und anderer signifikanter Bezugspersonen mit ein und unterstützt öffentliche und freie Träger prozessorientiert durch Begleitung und Beratung bei der Entwicklung passgenauer Hilfen und deren Umsetzung.

 

Neben der Unterstützung in konkreten Hilfekonstellationen bietet die Fachstelle darüber hinaus Fort- und Weiterbildung für Träger an, um Hilfeprozesse, insbesondere in komplexen Fallkonstellationen, adressat:innenorientierter und partizipativer zu gestalten.

 

Der Implementations- und Entwicklungsprozess der Fachstelle RE:CONNECT wird durch das ehs Zentrum in einer unabhängigen wissenschaftlichen Begleitforschung reflexiv begleitet und evaluiert. Diese projektbegleitende Forschung ist nach einem partizipativen, dialogischen und programmevaluativen Ansatz ausgerichtet und kombiniert drei Ansätze: eine ethnografische Praxisbegleitung, die Unterstützung bei der ko-produktiven Entwicklung von Elementen der Selbstevaluation für die methodischen Bestandteile sowie eine programmtheoriebasierte Evaluation des Arbeitsmodells der Fachstelle.


Frage-/Zielstellung

Die Begleitforschung verfolgt drei übergreifende Ziele:

 

Es sollen Bedingungen des Gelingens und der Veränderung von Sichtweisen, Verfahrens- und Strukturfestlegungen in Institutionen herausgearbeitet werden. Ein weiteres Ziel ist, Effekte des Clearings und der begleitenden Beratung aus der Perspektive von jungen Menschen und ihren Bezugspersonen, den Fachkräften der öffentlichen Träger sowie der fallbeteiligten Institutionen sichtbar zu machen. Für Konzepte, Vereinbarungen, Verfahrensgestaltung nach § 36 SGB VIII und die Curricula der beruflichen Fort- und Weiterbildung sollen Empfehlungen entwickelt werden.

 

Im Ergebnis der Kombination der drei Ansätze – ethnografische Praxisbegleitung, Entwicklung von selbstevaluativen Elementen für die methodischen Bestandteile und programmtheoriebasierte Evaluation des Arbeitsmodells der Fachstelle - sollen Bewertungsmaßstäbe und Qualitätskriterien für die Arbeit der Fachstelle aus Sicht aller Beteiligten - junge Menschen, Fachkräfte der Jugendämter etc. - eruiert und entwickelt werden. Weiterhin soll Wissen zur Reflexion und Verbesserung des Arbeitsmodells der Fachstelle verfügbar gemacht und förderliche wie hinderliche Wirkfaktoren identifiziert werden, die von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von tragfähigen Hilfen für junge Menschen und deren Familien sind.


Vorgehen

Im Rahmen der qualitativen Forschung werden teilnehmende Beobachtungen und ethnographische Interviews durchgeführt (insb. in der Implementierungsphase). Mit Blick auf die methodisch-konzeptionelle Angemessenheit ist die Evaluation selbst nach einem partizipativen, dialogischen Ansatz ausgerichtet. In partizipativer Weiterentwicklung einer rein ethnografischen Forschung sind die Mitarbeiter der Fachstelle als Co-Forscher in den Forschungsprozess einbezogen.

Für die durch die Fachstelle begleiteten Einzelfälle werden retrospektiv qualitative evaluative Interviews mit allen Beteiligten durch die ehs Forscherinnen erhoben und ausgewertet.

Werden je nach Bedarf und freier Kapazität fallunabhängige Fort-, Weiterbildungs- und Beratungsangebote durchgeführt, sollen evaluative Gruppendiskussionen mit dem Fokus auf Transferprozesse und ggfs. Hindernisse für Transferprozesse in die Alltagspraxis der Arbeit mit komplexen Fällen durchgeführt werden.

Die proqrammtheoriebasierte Evaluation zielt insbesondere darauf ab, einzelne Wirkfaktoren innerhalb des Arbeitsmodells zu identifizieren, die potentiell eine besonders förderliche oder hinderliche Bedeutung haben zur Erreichung der Ziele der Fachstellenarbeit.


Kontakt

 

Projektleitung

 

Prof.in Dr. Nicole Rosenbauer

E-Mail: nicole.rosenbauer@ehs-dresden.de

 

Wissenschaftliche Mitarbeit

 

Lisa Große, M.A.

E-Mail: lisa.grosse@ehs-dresden.de


Kooperationspartner:

 

Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Sachsen e.V.

Fachstelle RE:CONNECT

parisax.de/verband/fachstelle-reconnect/

 


Gefördert durch:

Kommunaler Sozialverband Sachsen (KSV) nach der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt zur Förderung der Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe im Freistaat Sachsen