Bildzyklus Dr. Jörg Düsterhöft im Foyer der ehs

2011 schuf der Dresdner Künstler Dr. Jörg Düsterhöft  einen Bildzyklus für das Foyer der ehs. Seine Gedanken zu diesem Bildzyklus finden Sie hier:

1.

Die Vision des „himmlischen Jerusalems“ aus dem Buch der Offenbarung des Johannes als Ort und Gleichnis für überwundenes Leid, als Bild für die Hoffnung heimzukehren nach der selbst verschuldeten Vertreibung aus dem Paradies und am Ende des Weges in der Gemeinsamkeit mit dem liebenden Gott und den Mitmenschen zu leben, ist einer der gedanklichen Ansätze für die künstlerische Konzeption der Bildtafeln. Der Gedanke an die Stadt mit den zwölf Toren, die wie Perlen sind und die u. a. die Öffnung zur ganz weltlichen Welt symbolisieren, als Raum für solidarisches Miteinander und der Erfahrung des göttlichen Lichtes stellt einen gedanklichen Ansatz für die Bildfolge dar.

 

2.

Die räumliche Entsprechung im „Hier und Jetzt“ verbindet sich mit dem Begriff der „Sozialen Stadt“. In dem räumlich-architektonischen Bild geht es um das Eintreten für die solidarische Gemeinschaft und solidarisches Handeln, für geschützte lebenswerte Orte um das Einbeziehen aller, um Offenheit und Überwindung von Begrenzungen und um Lebensperspektiven vor dem Hintergrund der christlichen Botschaft und der Realität unserer Orte und Gesellschaft. Diese Fragen sind ein weiterer Ansatz.

 

3.

Unser Leben vollzieht sich im Rhythmus der Jahre mit seinen zwölf Monaten. Es vollzieht sich mit allen Facetten des menschlichen Daseins im weitgefächerten Spektrum zwischen Unglück, Leid und Abgrund sowie Glück, Liebe und Erfüllung. Im christlichen Glauben bildet das Kirchenjahr vor dem Hintergrund der Lebens- und Leidensgeschichte von Jesus von Nazareth sowohl den Lauf durch die Zeit wie auch die geschichtlichen und heutigen Realitäten des menschlichen Lebens ab. Dabei ist die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten mit Karfreitag, Ostersonntag, Himmelfahrt und Pfingsten für die christliche Botschaft von essenzieller Bedeutung. Dieser zeitliche Bezug ist der dritte Bezug für das Konzept.

 

4.

Mit dem bildkünstlerischen Konzept wird Bezug auf die o. g. geistlichen und gedanklichen Grundlagen genommen. Die Folge der zwölf Bildtafeln greift in der Darstellung des Weges von der, durch menschliches Denken und Handeln begründete Vertreibung aus dem Paradies bis hin zur Vision des Einganges in die göttliche Gemeinschaft im „Himmlischen Jerusalem“ auf. So widmen sich jeweils drei Bildtafeln den Ereignissen und den jeweiligen theologischen sowie psychosozialen Aspekten rund um die vier Feiertage Karfreitag, Ostersonntag, Pfingsten und Himmelfahrt.

 

5.1

Mit Karfreitag verbinden wir Begriffe wie Gewalt, Demütigung, Kreuzigung und Verlassensein, kurz das Paradies ist fern. Darauf beziehen sich die drei ersten Bildtafeln. Sie zeigen zum Einen die leidvolle Dunkelheit  der Gewalt, das Schicksalhafte einschneidender Urteile Menschen sind verletzbare Körper.

Die zweite Tafel mit der Kreuzigungsszene zeigt einen verletzten Körper. Die Frauen trauern im Angesicht des Todes.

Es folgen Trauer und vereinzelt dahin ziehende Menschen. „Warum hast Du mich verlassen.“

 

5.2

Nur wenige Tage später am Morgen des Ostersonntags geschieht das wunderbare Unfassbare. Diesem Ereignis widmen sich die drei folgenden Bildtafeln. Das Grab, der tiefe Schacht, das dunkle Grab ist offen. Aufsteigen und Auferstehung ist möglich, der Tod kann überwunden werden. Gleichzeitig und mit der Erfüllung der Verheißung wird der wird der christliche Glaube lebendig. Symbol dieses Glaubens wird das Kreuz, das an diesem Ostermorgen zum ersten mal hoffnungsvoll erstrahlt.

Die Geschichte wiederholt sich immer wieder. Denken wir an den Osterspaziergang, hoffnungsvoll ziehen die Menschen aus der Kälte und Enge des Winters in die wärmende Natur, immer wieder mit Hoffnung und Sehnsucht nach Leben, Befreiung und Auferstehung.

 

5.3

Himmelfahrt, die Begegnung mit Gott. Jesus steigt auf „zur Rechten Gottes“.  Aus Bethanien aufsteigend und eine freudige Jüngergemeinschaft hinterlassen kommt er dem Feuer der göttlichen Liebe nah. Diese wärmende Kraft strahlt auf die Erde und die hoffende Menschheit.

Mit der Himmelfahrt w und auch ein Tor durchschritten. Der Weg in ein anderes Leben mit weniger Leid und Hass getragen von Liebe, Zuwendung und Miteinander steht uns offen. Wir ersehnen dies für die Zukunft. Doch diese Möglichkeit ist seit der Auferstehung real da. Die Vorhänge, die uns den Blick verstellen bzw. uns von den neuen Erfahrungen trennen sind hauchdünn.

 

5.4

Pfingsten, die Ausschüttung des heiligen Geistes. Wie ein Feuerregen kraftvoll und energiegeladen kommt schüttet Gott den Geist dr Liebe über die verblüffte Gemeinschaft der Menschen aus. Es ist ein Regen in dem die Menschen bestehen und nicht verbrennen.

Ein anderes Menschbild kann wachsen. Anders als der verletzte Gekreuzigte kann sich der Mensch aufrichten und kraftvoll mit anderen im Herzen in die Welt gehen. Dieser Mensch, der gelitten hat, aufgestanden ist und  den Geist der Liebe erfahren und aufgenommen hat, kann mit anderen eine solidarische Gemeinschaft begründen. Eine gesellschaftliche Struktur , die Platz für unterschiedliche Individuen hat, die beschützende Räume hat und deren Tore offen sind. Das „Himmlische Jerusalem“.

 

6. Schluss

Die Ereignisse im Leben des Jesus von Nazareth und seinen Weggefährten beginnend mit Verurteilung und Kreuzigung, mit Auferstehung, Himmelfahrt und schließlich mit der Ausschüttung des Heiligen Geistes vor 2000 Jahren sind Geschichte. Und doch bilden sie gleichnishaft und immer wiederkehrend die Wege und Schicksale der Menschen, ihrer Gemeinschaften und von uns selbst ab. Im Kern ist die Botschaft einfach hoffnungsvoll und wunderbar. Es gibt einen Weg aus dem Leid, aus Gewalt und Isolation hin zu einem neuen solidarischen Leben und zu einer sozialen Gemeinschaft der Menschen miteinander und in Gemeinschaft mit Gott.

 

Jörg Düsterhöft, Dresden, 31.10.2011