Exkursion nach Berlin 2014

Vom 28.–30.11.2014 fand eine Exkursion nach Berlin statt, die von Simon, Alex und Charlotte organisiert wurde. Vor 25 Jahren hat die Friedliche Revolution die Berliner Mauer zu Fall gebracht. Aus diesem Anlass haben einige Studierende die Reise in die Hauptstadt Deutschlands unternommen, um hinter die Kulissen der Vergangenheit zu schauen, Orte zu besuchen, an denen die Grenze noch lebt und solche, an denen längst kein Osten und kein Westen mehr existiert.

Besuch des Deutschen Historischen Museums

Am Sonntagvormittag ging es auf in das Deutsche Historische Museum. Nach einem Fußmarsch zum Museum waren wir sehr gespannt auf das, was vor uns liegt. Wir begannen unsere Besichtigung mit einer Führung durch einen Museumspädagogen. Dabei beschäftigten wir uns vornehmlich mit der sozial-politischen Lage im Kaiserreich und der Industrialisierung, über den 1. und 2. Weltkrieg bis hin zum geteilten Deutschland. Dabei bekamen wir wissens- und merkenswerte Informationen. Ein Bild aus dem frühen 20.Jahrhundert ist mir dabei in besonderer Erinnerung geblieben, da  ich es auch mit heutigen Ereignissen in Verbindung bringen konnte. Es war das Bild einer streikenden Arbeiterschaft, welche für bessere Bedingungen die Arbeit niedergelegt hatte. In der Epoche des zweiten Weltkrieges haben wir uns besonders mit der Lage der Menschen unter den Nationalsozialisten beschäftigt. Dieser Teil der Veranstaltung stimmte mich sehr traurig. Besonders lange habe ich dabei ein Gemälde von Trümmerfrauen betrachtet und Fotos von Menschen, die während der Diktatur gestorben sind. Danach haben wir uns noch Dokumente und Gegenstände angeschaut, die mit der  Zeit in der DDR  bzw. in der damaligen Bundesrepublik in Verbindung gebracht werden können. Besonders witzig fand ich einen Mixer, welchen meine Oma heute  noch besitzt. Nach dem Rundgang hatten wir noch Zeit, alleine im Museum herumzustreifen. Besonderes Vergnügen bereitete mir die erste Ausgabe der Zeitschrift „Emma“.
Die Zeit im Deutschen Historischen Museum verging wie im Fluge und mir hat es sehr gut gefallen. Einzig allein, die kurzen Ausführungen zum geteilten Deutschland fand ich etwas schade, was leider daran lag, dass wir keine Zeit mehr hatten. Auch ist die Ausstellung (leider) so konzipiert, dass sie auf diese Zeit weniger einen Fokus legt. Ich fand den Besuch dennoch sehr gut und nehme schöne und informative, aber auch bedrückende und traurige Eindrücke davon mit. 

von Anne Schwenke

Besuch im Atomschutzbunker

Besuch im Atomschutzbunker hat mich beeindruckt. Wir hatten eine gute Exkursion mit Führung. Das Bunker ist für 3600 Menschen vorgesehen, um sie 14 Tage dort zu versorgen. Ich habe nicht gewusst, dass so was gibt, also war ich zum ersten Mal dort. Für mich war es komisch dort zu sein, weil jetzt ich in einer Friedenszeit lebe. Als ich da unten plötzlich stand, ist mir aufgefallen, dass eigentlich ein Krieg oder etwas Ähnliches passieren könnte und was dann? Normalerweise denke ich nicht über so was nach, aber dort passiert es automatisch. Natürlich habe ich mir vorgestellt und mich gefragt, ob ich dort überleben würde. Ich denke es wäre schwer, aber wenn man leben möchte, kann man bestimmt viel ertragen. Hoffentlich muss der Bunker niemals benutzt werden und er wird immer weiter als Museum benutzt.

von Alexandra Ivanov

Berlinstadtführung

Unsere Reise nach Berlin begann am Hauptbahnhof Dresden. Nach der dreistündigen Zugfahrt, dem Check In im Hostel und einer kleinen Erholung stand ein Besuch der Sehenswürdigkeiten von Berlin Mitte auf dem Programm.
Draußen war es ziemlich kalt und trotzdem hatten wir große Lust und kulturellen Hunger auf Berlin. Wir waren gut gelaunt und gespannt, was uns an diesem Abend erwartet.

Charlotte, unsere schöne Stadtführerin, begann ihre Führung am Alexanderplatz, wo sie kurz und interessant die Geschichte dieses Platzes erzählte. Dort erfuhren wir, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der Alexanderplatz dem Militär als Parade- und Exerzierplatz diente und von vielen Händlern und Bauern auch als Handelsplatz für Vieh genutzt wurde. Seinen heutigen Namen verdankt der Platz König Friedrich Wilhelm III., der ihn anlässlich eines Besuchs des Zaren Alexander Ende 1805 in Alexanderplatz umbenannte.
Natürlich wurde auch der Berliner Fernsehturm erwähnt, der im Zentrum Berlins nahe dem Alexanderplatz steht und mit 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands sowie das vierthöchste freistehende Gebäude Europas, ist. Er wurde im Jahr 1969 in der DDR gebaut und ist über 220 Meter höher als der alte Berliner Funkturm aus den 1920er Jahren im Westteil der Stadt.
Wir kamen am Berliner Dom vorbei und schauten ihn uns von außen an. Wir erfuhren, dass der Berliner Dom die größte Kirche in Berlin und ein zentraler Ort der evangelischen Kirche in Deutschland ist. Gleich danach erzählte uns Charlotte etwas über die Museumsinsel, auch dass 1999 die UNESCO die Museumsinsel Berlin als "einzigartiges Ensemble von Museumsbauten, das die Entwicklung modernen Museums-Designs über mehr als ein Jahrhundert illustriert", zum Welterbe erklärte.
Letztendlich erreichten wir das Brandenburger Tor und den Bundestag. Das monumentale Brandenburger Tor kann auf eine rund 200-jährige Geschichte zurückblicken. War es bis zum Jahre 1989 ein Symbol für die Teilung Berlins und Deutschlands, ist es heute ein Nationalsymbol für die Einheit und somit eines der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt. Was ich selbst sehr spannend fand ist die Quadriga, die im Jahre 1793 auf das Tor aufgesetzt wurde. Im Jahre 1806 verschleppte  Napoleon sie nach Paris. Und durch den Sieg der Allierten konnte sie acht Jahre später wieder zurück geholt und an ihrem alten Bestimmungsort aufgestellt werden.
Am Ende schauten wir uns das Parlamentsgebäude des Deutschen Bundestags von draußen an. Wir hatten auch ein bisschen Hoffnung Angela Merkel zufällig zu treffen, sie war aber leider nicht da.

Durchgefroren, aber zufrieden liefen wir nach dem Ende der Exkursion zu einem asiatischen Restaurant, wo auf uns ein leckeres Essen und angenehme Wärme warteten.

von Anastasia Mikhaylova

Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen

Wir besuchten die  Gedenkstätte Hohenschönhausen an einem furchtbar kalten Tag, es war so kalt, dass es schmerzte, wenn der Wind das Gesicht berührte. Dazu war es grau und wüst und kein Mensch war auf den Straßen, außer den wenigen,  die  es aus irgendeinem unseligen Grund mussten. Hohenschönhausen, das ehemalige Gefängnis der Staatsicherheit (Stasi) ist genauso farblos wie dieser kalte Winterberlinnachmittag. Und damals, im Winter 1946/ 1947, als ersten  Gefangenen dort aus einer ehemaligen Großküche ein Gefängnis mit 60 Fensterlosen Zellen in den Keller des Gebäudes bauen mussten, war der Winter ebenso kalt, ebenso grau und das  Gebäude war  feucht und unbeheizbar. 

Mir gruselt bei der Vorstellung als wir durch die Pforte neben dem großen, sauber abgeriegelten Tor gehen. Wir flüchten uns in den warmen Museumshop, dort kann man alles kaufen,  DDR-Bildbände, Filme, Spruchkarten, Bücher, die erzählen, wie „der DDR-Alltag“ gewesen sei, Pitiplatsch. Der Mann, der uns zur Führung abholt, ist ein sogenannter Zeitzeuge, einer, der selbst „drin war“. Aber er, das erklär er uns von Anfang an,  sei ein spezieller Fall, „weil Wessi“.  Er führt uns in jene Kellerräume, in denen bis zu Stalins Tod 1953 vor allem politische Häftlinge physisch und psychisch gefoltert wurden. Wir  schauen in dunkle, kleine Zellen.  In manchen habe es wochenlang Wasser am Fußboden gegeben, nur wenige Zentimeter, aber  zäh genug, um Körper und Geist zu zersetzen.  Es sind Fotos dort von Foltergeräten und Geschichten von Häftlingen, die  sprachlos machen.  Zum Beispiel die Geschichte von Erika Riemann, die ein Plakat Stalins mit Lippenstift zierte und anschließend neun Jahre hier gefoltert wurde. Aus den mittelalterlichen Kellervierließen wurde in den 1950ger Jahren bald ein großes Stasi Gefängnis, viereckig angelegt, sodass ein Innenhof entstand, den aber in 35 Jahren kein einziger Häftling zu Gesicht bekam,- Warum?  Desorientierung als Foltermethode.

Desorientiert sollte man hier von der ersten Sekunde an sein, von dem dunklen, kleinen Auto, auf dem außen für frischen  Fisch geworben wurde und indem innen bis an die 5 Häftlinge zusammengepfercht wurden ohne voneinander zu wissen, ging es in einen hellen Raum, der so weiß war, dass es blendete und so groß, das man ganz klein wurde. Dann wurde man durch leere Gänge  geführt, man musste warten ohne zu wissen, worauf, es wurden Fotos gemacht, von vorne, von der Seite von hinten. Manche saß sehr lange auf dem Stuhl,  und der Verdacht, dass im Fotoapparat ein Gerät mit Röntgenstrahl eingebaut war,  der später bei so vielen von der BRD freigekauften DDR Bürgerinnen Blutkrebs versuchte, liegt nahe.  „Unser ´Zeitzeuge“ erwähnt, dass man in Gera ein eben solches Gerät mit Röntgenstrahlen gefunden habe,   er führt aus, dass die Todesopfer längst nicht gezählt seien. Unsere Stimmen verstummen allmählich, es ist ganz still im Gebäude, nur der Laminatboden schmatzt. Es stinke hier, sagt einer, der die DDR seinerseits  kennengelernt hat, es stinke hier nach Behörde.

Mürbe sollte man hier gemacht werden, desorientiert.  Erst einmal kam fast jeder in eine Einzelzelle, auch auf dem Gang wurde peinlich genau darauf geachtet, dass der  Gefangene keinem Anderem begegnet, sodass niemand genau wusste, ob er vielleicht der einzige im Gebäude war oder ob Frau und Kinder vielleicht direkt nebenan saßen?!

Nicht zu wissen, ob man Leidensgenossinnen hat, wo die Familie ist, manchmal sogar,  weshalb man überhaupt hier  sei, ob es Tag oder Nacht ist, ob und von wem man verraten wurde, führt über kurz oder lang zum Verlust jeder Selbstsicherheit.

Zukunft, Gegenwart und auch Vergangenheit sollten für den Häftling zu etwas Zwielichtigem, Unsicheren werden. Als sei das, woran man bisher geglaubt habe, eine Farce gewesen, als seien die, denen man vertraut hatte, Verräter und nun hing Alltag und Zukunft von der Entscheidung der Stasi ab. War die Gefangene an jenem Punkt angelangt, so konnte die Stasi beginnen, mit ihrer Hoffnung zu spielen.

Dann seufzte die Vernehmerin, dass man sich doch  endlich kooperativ zeigen solle,  dass die Stasi doch nicht unmenschlich sei, man müsse nur eben gemeinsam gegen die vorgehen, die die  kleine, junge, antifaschistische demokratische Republik gegenüber den kapitalistischen, faschistischen Ausbeuterstaaten des Westens verraten wolle.  Und das man dann auch vielleicht Besuch empfangen könne, das es dann Aussicht auf Haftverkürzung gäbe, auf Zeitung, Bücher oder Zellenkollegen. Ob man denn eine rauchen wolle?

Manch einer gab sich der Versuchung hin, wurde hier spät (aber besser als nie, versicherte der Vernehmer) zum Spitzel und weil diese Stasitaktik ein öffentliches Geheimnis war, konnte man auch in der Gemeinschaftszelle niemandem trauen.

„Unser Zeitzeuge“ führt uns durch die schweigenden Gänge, links und rechts die kleinen Zellen, hier und da ein Vernehmer Zimmer im DDR-grau-braun eingerichtet, schließlich beginnt er, seine Geschichte  zu erzählen. Sie ist gefüllt mit allem, was eine gute Geschichte braucht, da sind schöne Frauen und echte Liebe, Verrat, guter Wille und eine böse, starke dunkle Macht. Doch ich kann der Geschichte nicht mehr folgen, meine Gedanken sind  noch immer  bei dem Fotoapparat mit den Röntgenstrahlen, bei dem Blutkrebs und der Grausamkeit.                      

Schließlich müssen wir aufbrechen, etwas eilig, weil der Hausmeister das Gebäude schnell abschließen möchte und der versichert uns: „wenn ich hier abschließe, dann kommt hier niemand mehr raus“.

von Charlotte Gneuß