Praktikum bei der FDYS in Wexford/Irland

vom 1.April bis 24. Juni 2011

Bereits im September 2010 vereinbarte ich mit einem Freund aus Irland, den ich bei einem Seminar in Luxemburg wiedertraf, einmal ein Praktikum in Wexford machen zu können. Eine eigentliche Bewerbung beim FDYS (Ferns Diocesan Youth Sevice) war nicht notwendig, da mein Bekannter, der während des Aufenthaltes in Irland zu meinem Mentor wurde, für mich eintrat und sie sein Vorgesetzter gern auf diese Erfahrung (es gab vorher keine ausländischen Studenten in dieser Einrichtung) einließ. Ein kurzer Lebenslauf und eine knappe Aufstellung von Erwartungen meinerseits waren ausreichend. Hinzu kamen dann noch einige Formulare des ERASMUS-Programmes und ein paar Sicherheits-formulare für das FDYS. Insbesondere für die finanzielle Unterstützung durch das ERASMUS-Programm mussten Bewerbungen, Begründungen und andere Formulare ausgefüllt werden. Durch diverse Verzögerungen - u.a. auch die irische Mentalität e-mails zu beantworten - kam es dann erst im März zu einer eindeutigen Zusage von Seiten des Chefs der FDYS für ein 12 wöchiges Praktikum.

Aus Kostengründen habe ich jedoch bereits im Februar die Flugtickets gebucht, Busfahrten recherchiert und andere Vorbereitungen getroffen. Neben einer Auslandsversicherung über den DAAD und einem Inter-nationalen Studentenausweis mussten auch für mein Studium Vorkehrungen getroffen werden. So habe ich mich z.B. um die Anerkennung des Praktikums für mein Studium bemüht und ein Modul zurückstellen lassen, um es dann später absolvieren zu können.

Letzter Schritt während den Vorbereitungen war die Suche nach einer Unterkunft für drei Monate. Im Internet fand ich einige Angebote für Zimmer und auch über Bekannte, die bereits Praktika in Irland absolvierten, erhielt ich Informationen und Verbindungen zu freien Zimmern. Am Tag vor meiner Abreise fand ich dann auch ein Zimmer zu einem Preis, den ich mir leisten konnte. Da ich in Dresden in einer WG wohne und mein Zimmer nicht für Couch-Surfer umräumen kann, musste ich sowohl die Miete in Dresden weiterzahlen als auch für die Unterkunft in Irland.

In Wexford angekommen brachte mich mein Mentor zur vereinbarten Adresse. Der Zustand der Wohnung entsprach nicht meiner Vorstellung von wohnen, zumal ich dort drei Monate leben sollte, und so verbrachte ich das Wochenende bei meinem Mentor in Gorey. Er telefonierte ein wenig herum und am Montag hatte ich bereits eine Zusage für ein Haus, was einer Kollegin von ihm gehörte, die jedoch die meiste Zeit des Jahres in Dublin arbeitet. Am Dienstag - also drei Tage nach meiner Ankunft in Irland - bezog ich also ein kleines Haus in einer schönen kleinen Siedlung - 20 Minuten Fußweg zum FDYS - und fühlte mich sofort wohl. Diese Art von Gastfreundlichkeit sollte ich noch mehrmals während meines Aufenthaltes erleben. Fremde sind in Irland tatsächlich Freunde, die man noch nicht kennengelernt hat.

Bereits am ersten Tag meines Praktikums richteten wir ein kleines Büro für mich ein und statteten es mit allerhand Utensilien aus. Ich bekam eine Führung durch die Einrichtung und alle meine Fragen wurden beantwortet, auch die, die ich gar nicht gestellt habe. Auch unterhielt ich mich mit den Kollegen der einzelnen Bereiche des FDYS und schnell fanden wir gemeinsam die ersten Aufgaben. Dabei wurde immer auf meine Interessen und Bedürfnisse eingegangen und mir ein großer Spielraum beim Ausführen gelassen. Ein Mobiltelefon wurde mir zur Verfügung gestellt um privat und beruflich (beide Bereiche gehen nahtlos ineinander über) erreichbar zu sein. Um während meinem Aufenthalt in Irland genügend Bargeld zur Hand zu haben, richtete ich mir ein kostenlosen Sparkonto bei der Postbank ein, bei dem ich 10mal im Jahr gebührenfrei auf der ganzen Welt Geld abheben kann. Ein eigenes Konto in Irland war also nicht notwendig.

Zunächst musste ich einige deutsche Angewohnheiten ablegen um zu realisieren, dass auch ohne Über-pünktlichkeit oder ständige Planungssitzungen ein Projekt hoch erfolgreich sein kann. So erhielt ich nicht nur einen ausführlichen Einblick in ein paar sehr interessante Projekte des FDYS und organisierte eigene bzw. führte sie durch, ich lernte auch die Unterschiede zur Sozialarbeit in Deutschland kennen und schätzen. Eine Gruppe für junge Frauen in sozialen Schwierigkeiten, Ein Anti-Aggressions-Programm für zwei junge Männer, bei dem der Garten des FDYS rundum erneuert wurde und die European Folk Games mit Sport und Spielen aus ganz Europa, die auf die ursprüngliche Weise ausgeführt wurden, sind dabei die aufwendigsten. Dabei ließen sich die Mitarbeiter und Vorgesetzten des FDYS immer wieder auf meine neuen Ideen aber auch Veränderungsvorschläge ein und so prägte ich nach Aussagen aller Kollegen in den drei Monaten meines Praktikums die Arbeit dieser Einrichtung wesentlich. Im nächsten Jahr soll ein von mir erdachtes und durchgeführtes Projekt wieder stattfinden und ich soll wieder dabei sein.

Wie nicht anders erwartet, war Irland ganz anders als Deutschland. Land und Leute haben mir sehr gutgetan, was u.a. an der speziellen Mentalität der Iren liegt. Mit derart offenen Händen und Herzen bin ich in noch keinem Land empfangen worden. Wildfremde Menschen grüßen Dich, unterhalten sich mit Dir und auf den kleinen und schmalen Straßen Wexfords sind es die Autos, die anhalten, wenn es eng wird. Im Allgemeinen konnte ich die Menschen in Irland als sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit kennenlernen.

Wexford ist die Hauptstadt von Wexford County und ist mit ihren ca. 8.000 Einwohnern eine normalgroße Stadt an der süd-östlichen Küste Irlands. Sportstätten, besonders für diverse Spiele der Gaelic Athletic Association (GAA) sind viel zu finden. Gaelic-Football und Hurling sind die beliebtesten. Es gibt ein Theater, ein Kino, ein kleines Opernhaus und weitere kulturelle Einrichtungen. Auch kann man eine Bootsfahrt durch die Bucht von Wexford buchen. Allerdings gab mir die Natur und Architektur Irlands schon genügend „Unterhaltung“. Lange Spaziergänge und Wanderungen über die grünen Hügel oder am Strand genügten mir oft zur Freizeit-gestaltung. Immer wieder wurde ich zudem zu Bekannten und Verwanden von Kollegen zum Essen oder einfach nur zum Besuch eingeladen. Bei den vielen Fahrten mit meinem Mentor bekam ich sehr viele Geschichten über die Menschen und mystischen Orte Irlands zu hören. Einmal in der Woche besuchte er und ich ein Projekt, das in Irland gerade immer mehr an Beliebtheit gewinnt: Das Men`s Shed. In diesem „Männer-schuppen“ konnte ich verschiedene Werkzeuge und Maschinen ausprobieren. Dort fertigte ich einige Spiel-geräte für die Folk Games und ein Reposé-Stück an. Die ausreichende Freizeit konnte ich jederzeit mit interessanten Aktivitäten fühlen, so ich nicht zu einer solchen eingeladen wurde.

Sind diese Aktivitäten oft recht günstig, so ist doch der Alltag sonst etwas teurer als in Deutschland. Besonders Lebensmittel (speziell Fisch und Fleisch) kosten mehr. Zudem sind die meisten Produkte in den Supermärkten in Super-Size-Größen erhältlich. Die Irische Küche ist deftig und von großen Portionen gekennzeichnet.

Von allen Praktika, die ich während meines Studiums absolvierte, war dieses in Wexford das lehrreichste und ergiebigste. Wexford und der FDYS ist auf jeden Fall für ein längeres Praktikum mehr als geeignet. Die Mitarbeiter des FDYS sind von diesem Experiment begeistert und können sich vorstellen, wieder einen Praktikanten aus dem Ausland für eine längere Zeit aufzunehmen.

Kai Dießner