Cluj-Napoca

Ohne ein bestimmtes Land vor Augen zu haben, stand für mich bereits zu Beginn meines Studiums fest, dass ich mir die Gelegenheit, über ERASMUS ein Semester im Ausland studieren zu können, nicht entgehen lassen würde. Als ich zu Beginn meines 4. Semesters davon erfuhr, dass die ehs seit Januar 2013 eine Partnerschaft zu der Babes Bolyai Universität in Cluj-Napoca / Rumänien unterhält, war für mich klar, dass ich in diese Stadt gehen möchte. Dafür gab es eine Vielzahl von Gründen:

1. Rumänien ist das einzige Land in Osteuropa, in dem eine romanische Sprache gesprochen wird. Da ich in der Schule 4 Jahre Französisch gelernt habe, verfüge ich über eine bessere Grundlage, als es bei slawischen Sprachen der Fall ist.

2. Rumänien ist ein Land, mit dem ich noch nicht viele Berührungspunkte hatte; diese Tatsache führt dazu, dass es mich in dieses Land zieht, da es eine einmalige Gelegenheit ist, über einen längeren Zeitraum etwas komplett Neues kennen zu lernen.

3. Cluj-Napoca ist eine Stadt, in der 100 000 der 300 000 Einwohner Studierende sind (zum Vergleich: In Dresden studieren ca. 50 000 Menschen bei 550 000 Einwohnern). Der hohe Anteil an Studierenden wirkt sich sehr positiv auf die Atmosphäre in der Stadt aus und es gibt eine Vielzahl an Konzerten und anderen kulturellen Angeboten. Auch die Lage von Cluj-Napoca ist sehr interessant, da es zu Siebenbürgen gehört. Dieses Gebiet in Rumänien gehörte in den letzten Jahrhunderten sowohl zu Deutschland als auch zu Ungarn und Rumänien, was dazu führt, dass alle drei Sprachen offiziell in dieser Stadt anerkannt sind und Minderheiten aus Ungarn, sowie die Siebenbürger Sachsen das Stadtbild bereichern.

4. Die Babes Bolyai Universität ist fast 250 Jahre alt und eine der traditionsreichsten Universitäten Europas. Eine Besonderheit dieser Universität ist es, dass auf vier verschiedenen Sprachen unterrichtet wird (Ungarisch, Rumänisch, Deutsch und Englisch).

Die Fakultät für Soziologie und Soziale Arbeit bietet ihre Module auf Rumänisch an; deswegen ist es eine Bedingung, einen Sprachkurs zu absolvieren, bevor das Auslandssemester dort beginnt. Obwohl das Semester erst im März 2014 beginnt, habe ich den Sprachkurs bereits im Sommer 2013 besucht, weil es dann keine Überschneidungen mit Prüfungen an der ehs gibt.

Als Unterkunft diente das Studentenwohnheim der Babes Bolyai Universität, wo die 65 Teilnehmenden des Sprachkurses sehr viel Platz genossen, da das Semester an der Universität noch nicht begonnen hatte. Überhaupt war die Stadt sehr leer, was sich gegen Ende des Sprachkurses schlagartig änderte. Das Studentenwohnheim bietet Zweierzimmer an und verfügt über einen modernen Standard, was ich bei dem Preis von 37 € für den gesamten Monat erst bezweifelte. Die Stimmung unter den Teilnehmenden war sehr gut und die Gruppe setzte sich aus vielen verschiedenen Nationen zusammen, wobei Spanien, Deutschland und Polen die größten Fraktionen bildeten. Neben dem „Limba Romana“ (Rumänisch-Sprachkurs), der von 9-13 Uhr fünf Mal wöchentlich stattfand, gab es ein vielfältiges Kulturangebot am Wochenende und an den Nachmittagen. So besuchte ich zum Beispiel einen Töpferworkshop (Töpfern hat in Rumänien viel Tradition) und lernte etwas über die Geschichte Rumäniens und die der Babes Bolyai Universität. Außerdem unternahmen wir Exkursionen in den Botanischen Garten in Cluj-Napoca, zum Salzbergwerk in Turda. Auch eine Wanderung durch die wunderschöne Landschaft in Siebenbürgen wurde angeboten. Mein Highlight der Zeit in Cluj-Napoca war der Internationale Abend, wo jeder die Gelegenheit dazu hatte, sein Land vorzustellen. Im Anschluss gab es ein riesiges Buffet mit Spezialitäten aus den verschiedenen Ländern, wobei meiner Meinung nach das vietnamesische Essen am besten war (Dank an dieser Stelle an Hoa!). Wenn wir abends mal nicht Rumänisch paukten, kam auch das gemeinsame Feiern nicht zu kurz und es bildete sich eine wunderschöne Atmosphäre in der Gruppe. Am Ende des Sprachkurses gab es eine Abschlussprüfung und die feierliche Übergabe unseres Zertifikats in der Festhalle der Babes Bolyai Universität. Zurückblickend war der gesamte Aufenthalt mit einer optimalen Mischung aus dem Erlernen der neuen Sprache, dem Kennenlernen des Landes sowie weiterer Kulturen und dem Knüpfen von Freundschaften eine sehr runde Sache. Ich freue mich auf mein Auslandssemester und kann jeden Studierenden der ehs nur dazu ermutigen, sich auf das Abenteuer ERASMUS einzulassen!

Simon Bernhardt
SoA 5. Semester

Cluj-Napoca
Blick aus dem Fenster meines Zimmers im Studierendenwohnheim

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