Tandem - ein Forschungsprojekt zu Frauen und Männern in der Elementarpädagogik

Eine Untersuchung zu männlichem und weiblichem Erziehungsverhalten in elementarpädagogischen Kontexten.

Laufzeit: November 2011 - Juni 2014


Warum brauchen wir mehr Männer in Kitas?

Der geringe Anteil von Männern im Erzieherberuf wird aus verschiedenen Gründen als problematisch angesehen. Aus der Gleichstellungsperspektive zeigt sich, dass ein gesellschaftlich wichtiger Berufsbereich für Männer verschlossen bleibt. Noch bedeutsamer aber scheint, dass damit Kindern die entwicklungsnotwendigen Dimensionen der Erfahrung von männlichen Rollenvorbildern und männlich geprägten Lernangeboten vorenthalten wird. Ergebnisse der neueren Entwicklungspsychologie und Vaterforschung stutzen diese Sichtweise.

Die professionelle Frühpädagogik ist allerdings bisher noch nicht hinsichtlich geschlechtsspezifischer Unterschiede erforscht worden. Darüber hinaus bestehen berechtigte kritische Einwande, weil auch Mutter und Vater in ihrem elterlichen Verhalten zumeist nur getrennt untersucht worden sind. Abstimmungsprozesse zwischen den Eltern und damit die systemische Dimension bleiben dabei unberücksichtigt. Die Tandem-Studie setzt an diesen Forschungsdefiziten an und will die erzieherische Praxis und Zusammenarbeit von Frauen und Männern vergleichend und aus einer systemischen Perspektive untersuchen.

Forschungsdesign

Die Tandem-Studie erfasst und die Erziehungspraxis von weiblichen und männlichen Fachkräften in Kindertagesstätten. Die systemische Perspektive eröffnet sich aus der Untersuchung von Männern und Frauen, die im Alltag als Tandem zusammenarbeiten. Geplant sind eine Stichprobe von 20 solchen gemischtgeschlechtlichen Tandems sowie eine Vergleichsgruppe von zehn Tandems aus weiblichen Fachkräften. Die Tandems werden in zwei halbstandardisierten Situationen videographisch aufgenommen:

  • jedes Tandem-Mitglied einzeln mit einem Kind in einer Spielsituation mit vorgegebenem Kreativ- und Konstruktionsmaterial,
  • beide Tandem-Mitglieder gemeinsam mit ihrer Kindergruppe in einem Bewegungsspiel (Twister™).

Die Erzieher-Tandems werden zusätzlich in einem gemeinsamen Interview zu ihrer Arbeitsteilung und ihrer Abstimmung im Erziehungsalltag befragt. Außerdem werden Persönlichkeitsvariablen über einen standardisierten Fragebogen erhoben. Das pädagogische Interaktionsverhalten in den Einzel-Spielsituationen sowie in der Gruppen-Spielsituation wird in einem eigens entwickelten Ratingverfahren eingeschätzt. Diese Mikroanalyse des pädagogischen Verhaltens wird durch die Aussagen aus den Interviews ergänzt.

Auswertung

Die Untersuchungsergebnisse werden in Bezug auf die Variablen Geschlecht und Persönlichkeit ausgewertet.

Hierdurch sollen Antworten auf folgende Fragen ermöglicht werden:

1. Unterscheiden sich Frauen und Männer in ihrem Erziehungsverhalten?

2. Sind diese Differenzen Ergebnisse eines Arrangements und wird dieses Arrangement vom Geschlecht der Beteiligten beeinflusst?

3. Wie wirkt sich männliches Personal auf die Arbeitsteilung, die Teamentwicklung und den pädagogischen Alltag mit Kindern aus?

4. Deckt sich das Selbstbild der Fachkräfte mit den Ergebnissen der Ratings der videographierten Spielsituationen?

5. Welche konkreten Effekte können durch eine Zunahme des Männeranteils im Erzieherberuf erwartet werden?

Präsentationen

Andrä, Markus (2011): Gender Differences in Adult-Child-Interactions in Pre-School. Presentation on the 21st EECERA Annual Conference. 15.9.2011. Geneva/Switzerland. Verfügbar unter: www.koordination-maennerinkitas.de/uploads/media/EECERA_2011_Andrae_abstract.pdf [19.11.2013].

Andrä, Markus (2013): Between Professionalism and Authenticity. A new Perspective on Men and women working together in German ECE Teams. Presentation on the 23rd EECERA Annual Conference. 30.08.2013. Tallinn/Estonia.

EECERA Jahreskonferenz 2011 in Genf, Schweiz (pdf-Datei)

EECERA Jahreskonferenz 2012 in Porto, Portugal (pdf-Datei)

Publikationen

Brandes, Holger; Schneider-Andrich, Petra; Andrä, Markus (2013): Wozu brauchen Kinder (männliche) Rollenvorbilder? Mädchen und Jungen sind aktive Mitgestalter ihrer Geschlechterrolle. In: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita. 2013 (4). S. 6-8.

Andrä, Markus; Schneider-Andrich, Petra; Brandes, Holger (2013): „Ich habe keine Erwartungen an ihn als Mann...“ Männliche und weibliche Fachkräfte im Vergleich. In: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik. Leben, Lernen und Arbeiten in der Kita. 2013 (4). S. 12-15.

Brandes, Holger; Andrä, Markus; Röseler, Wenke; Schneider-Andrich, Petra (2013): Männer in Kitas – Was machen sie anders und wie profitieren die Kinder von ihnen? Ergebnisse aus der „Tandem-Studie“ zu professionellem Erziehungsverhalten von Männern und Frauen. Frühe Kindheit. 16 (5). S. 38-43. (pdf-Datei)

Brandes, Holger; Andrä, Markus & Roeseler, Wenke (2012): Das "Männliche" in der Erziehung. Geschlechtsspezifisches Erziehungsverhalten und männliches Rollenvorbild. In Koordinationsstelle Männer in Kitas (ed.). Männer in Kitas. Eine Anthologie. Opladen. S. 151-166.